33. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur in Japan
オーストリア現代文学ゼミナール
16. & 17. November 2024
Sophia Universität, Tokio
Mit Raphaela Edelbauer
Jeder spielt irgendeine Rolle: Der Fall Katō.
Kikuko Kashiwagi

In meinem Vortrag geht es um das vierte Buch von Milena Michiko Flašar, Herr Katō spielt Familie. Der Roman entfaltet sich um das Stichwort Happy family. Das ist auch der Name der Agentur, bei welcher der frisch in den Ruhestand getretene Protagonist, ein gewisser Herr Katō, noch ein wenig dazuverdient und wieder Anschluss an die Gesellschaft der Menschen findet. Das Thema des Buchs ist Familie sowie Identität und Wert des Lebens, kurz gesagt Ikigai. Die Schwierigkeiten, die Ratlosigkeit und Einsamkeit, zumal das Elend, mit denen Herr Katō sich in seiner unbeschränkt ‚freien‘ Zeit konfrontiert sieht, stellen eine Problematik in der Gesellschaft dar. Das Rollenspiel des Protagonisten veranschaulicht erneut, dass eigentlich jeder, in jeder Gesellschaft, als Mitglied einer Gemeinschaft, immer irgendeine Rolle, ja nicht nur eine einzige, sondern mehrere Rollen spielt. Nach dem Verlust seiner Rolle als Berufstätiger, was verliert und was gewinnt Herr Katō? In der Zusammenschau mit anderen Literaturbeispielen wird gezeigt, was der Ruhestand, der in Japan oft das zweite Leben genannt wird, im Fall von Herrn Katō erbringt.