30. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

11. und 12. Dezember 2021
Mit Julya Rabinowich
Kurze Einführung ins Werk von Daniel Wisser
Walter Vogl

Der Vortrag gibt einen Überblick über das bisherige literarische Schaffen Wissers unter Einbeziehung seiner politischen Kommentare und Band-Aktivitäten. These: Wisser ist ein Autor, der aus anti-romantischen Positionen heraus ganz bewusst ein auf innersprachliche Konstruktionsverfahren setzendes Prosawerk aufgebaut hat, das auch auf altmodische Weise poetisch sein kann und von aberwitziger Komik und einem tiefen Humanismus beherrscht wird. Interessant ist zu verfolgen, wie der Autor sich mit textinternen Strategien aus quasi monologischen Situationen heraus anfangs Sehnsuchtsobjekte, Gegenpole, Doppelgänger und Alter Egos schafft, die später in einem reichen Figurenarsenal aufgehen. Wisser steht in einem gewissen Nahverhältnis zu den Arbeiten der Wiener Gruppe, ohne jedoch deren Verabsolutierung des “Semantic turn” zu übernehmen. Er knüpft sowohl an sprach- und sozialkritische Positionen der österreichischen Literatur der siebziger Jahr an als auch an Traditionen des neuen Erzählens, die mit der Beat Literatur der achtziger Jahre verbunden sind und recycelt geschickt die Übertreibungs-Kunst Thomas Bernhards.

Walter Vogl (Dr.) lebt seit 1992 in Tokyo. Er ist Professor für German Studies an der Fakultät für Handelswissenschaften der Keio Universität, Schriftsteller und Literaturkritiker. Mitbegründer des alljährlich stattfindenden Seminars zur österreichischen Gegenwartsliteratur in Japan. Arbeitsschwerpunkte sind deutschsprachige Gegenwartsliteratur sowie internationale Reisetexte der letzten hundert Jahre.