29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Indifferenz, Konsumsucht und deren Ursprung im österreichischen Kollektivgedächtnis
Masanori Manabe

Daniel Wissers in Bezug auf die Gattungsbezeichnung etwas zu kurzer, aber auf virtuose Weise kompakt und komplex erzählter Roman Löwen in der Einöde (2017) handelt von österreichischen Schicksalen. Der Autor stellt humorvoll sowie mit vielen Metaphern Figuren dar, die sich in einem gewissen Zustand der Indifferenz bzw. Empfindungslosigkeit befinden. Sie sehen zwar auf den ersten Blick so aus und versuchen auch ständig so zu tun, als hätten sie in ihrem Geschäfts- und Beziehungsleben keine Probleme. Aber tief in ihrem Inneren sitzt eine massive Störung, denn in der Vergangenheit ist ihnen allen etwas emotional sehr Wesentliches verloren gegangen: Vertrauen in die Beständigkeit des Familienbunds und die Ehrlichkeit ihrer Beschützer, Vertrauen auch in Vorbilder sowie Personen, die sie am meisten liebten. In meinem Vortrag wird versucht zu erörtern, welche Metaphern für Indifferenz (und deren Überwindung) im Werk zu finden sind, wie und wozu sie miteinander verbunden sind, und was sie schließlich als Aggregat der Andeutungen und Botschaften bedeuten könnten.

Masanori Manabe, Assoc. Prof., Dr. (Tokai Universität)